Wissenswertes und Kulinarisches rund um die Regionen Italiens

20 Regionen ergeben den hohen Stiefel auf der Weltkarte, der unverkennbar schon aus dem Weltall das schöne Italien erkennen lässt. Und interessanterweise wird in jeder Region auf insgesamt 856.000 Hektar Wein angebaut. Damit steht das Land Italien weltweit an der Spitze und gilt als größter Weinprozent auf diesem Planeten. Und so ist es wenig überraschend, dass der Weinanbau hier ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist. Durchschnittlich entstehen jährlich ca. 50 Millionen Hektoliter Wein, die rund um den Globus geschätzt werden.
 
Es gibt ca 2.000 autochtone Rebsorten, von denen nur ein Teil kommerziell angebaut wird. 1.000 Sorten sind registriert und 400 Arten sind im Regelwerk der DOC zugelassen und empfohlen. Doch in den letzten Jahren erfahren diese „alten“ Rebsorten besondere Aufmerksamkeit, weswegen es eine stetig ansteigende Zahl an Weinen gibt. Aber es wächst nicht jede Sorte in jedem Gebiet, es kommt auf die klimatischen und geologischen Bedingungen an, was wo am ertragreichsten gedeiht. Wir beleuchten die einzelnen Regionen, erkunden diese, um zu wissen, wo welche Traube am liebsten wächst und was landestypisch dazu auf den Tisch kommt.

Schauen wir uns die Regionen genauer an:

Friaul
Zwischen Österreich, Slowenien und dem adriatischen Meer liegt die Region Friaul-Julisch Venetien, wie sie offiziell und mit vollem Namen heißt. Man sagt aus dem Friaul kommen die besten Weißweine Italiens, denn hier wurde die Gärung des Weins erstmals mit so genannten Temperaturkontrollen überprüft, was zu einer sprunghaften Qualitätssteigerung führte.
Die Rebsorte Friulano wächst hier, wie der Name allein schon erahnen lässt. Ihre Charakteristik ist ein blumig und kräuteriger Duft. Der frische und energische Sauvignon blanc, der fruchtige und gehaltvolle Pinot bianco und der frische Chardonnay, der meist ein leichtes Apfelaroma aufweist, fühlen sich hier heimisch, wie auch die lange vergessene Sorte Ribolla Gialla, die wieder angebaut wird und trockene sowie saftige Weine hervorbringt. Rotweine gedeihen im Friaul natürlich auch, darunter der intensive Merlot und der kraftvolle und würzige Refosco. Es heißt, dass hier auch der Grappa erfunden wurde, der aus den Pressrückständen der Trauben hergestellt wird.
Auf den Tisch kommt im Friaul gewisse Cjarsons, eine Art Ravioli mit diversen Füllungen, Gulasch und natürlich – nicht zu vergessen – der San Daniele-Schinken aus der gleichnamigen Stadt.

Trentino und Alto Adige (Südtirol)
Dieses sehr bergige Gebiet bringt unterschiedlichste Weine hervor.  Ein typischer Weißwein aus dieser Region ist beispielsweise der feinfruchtige Müller-Thurgau, der seinen Namen von einem Professor Hermann Müller aus dem schweizer Kanton Thurgau hat. Dieser züchtete diese Rebsorte, welche man heute auch Rivaner nennt. Ebenso findet man in dieser Gegend einen Gewürztraminer, der sich durch seine exotischen Aromen auszeichnet. Ein typischer Rotwein aus dem Trentino ist der Marzemino, welcher fruchtig und leicht würzig ist.
Kulinarisch bietet das Trentino gerne Spätzle. Die „Torte di Potate“, der so genannte Kartoffelkuchen ist ganz typisch für diese Region, aber auch Polenta und Sauerkraut. Und der Apfelstrudel wird sowohl als Haupt- wie auch als Nachspeise gegessen.

Einst gehörte Südtirol zu Österreich-Ungarn, doch seit dem Ende des Ersten Weltkrieges ist es ein Teil Italiens und dem Trentino zugehörig. Vergebens hat die Regierung versucht, die italienische Sprache durchzusetzen. Bis heute sprechen aber noch ca. 70% der dort ansässigen Menschen Deutsch. Südtirol ist die nördlichste Region Italiens, in der sich das Klima sehr vielfältig zeigt: von schneebedeckten Gipfeln bis zu sonnenreichen Tälern. In der Landeshauptstadt Bozen herrschen in manchen Sommern sogar bis zu 40 °C. 60% der in Südtirol wachsenden Weinreben sind weiß, wie der Gewürztraminer, mit seinen exotischen Aromen, der duftende Chardonnay, sowie der sortentypische Sauvignon blanc. Folgende Rotweine zeichnen Südtirol aus: der Vernatsch, welcher in der Regel wenig Tannin erhält, der Lagrein, der durch seinen Duft nach Beeren und Veilchen auffällt, wie auch der geschmacksintensive Merlot.
Wer durch Südtirol reist, findet auf den Speisekarten Schüttelbrot, Südtiroler Speck, Kaminwurzen und Marillenknödel. Im Herbst laden einzelne Winzer zum so genannten „Törggelen“ ein. Dort kann man die südtiroler Köstlichkeiten zusammen mit deren Weinen verkosten. Ein schönes Erlebnis…

Lombardei
Die Lombardei ist das industrielle Zentrum Italiens und zugleich mit ihren knapp 24.000 Quadratkilometern die bevölkerungsreichste Region mit über 10 Millionen Einwohnern. Das Meer ist noch ganz schön weit entfernt, dennoch bietet die Lombardei mit ihrer Seenlandschaft wie dem Comer See, dem Lago Maggiore, dem Luganersee, dem Iseosee und dem Südwestufer des Gardasees genug Erholungsmöglichkeiten. Um den Lago D´Iseo wachsen die Trauben für den besten Schaumwein Italiens, den Franciacorta. Dieser ist nicht nur qualitativ vergleichbar mit dem französischen Champagner, weil auch die Herstellung ähnlich aufwendig ist. Aus dieser Region stammen neben der Pinot noir- und Pinot bianco-Traube auch die Trebbiano-Traube, aus denen der weit bekannte Lugana hervorgeht und der leichte Chardonnay.
Typische Gerichte in der Lombardei sind, wie die Hauptstadt vermuten lässt, verrät, die Mailänder Salami, oder das „Cotoletta alla milanese“, ein paniertes Kalbschnitzel und ebenso das „Ossobuco“, ein Schmorgericht, was übersetzt Knochen mit Loch heißt. Als Süßspeise findet man hier typischerweise die "Zabaglione", eine Mascarpone-Creme oder den Panettone, der Kuchen, der gerne an Weihnachten auf unseren Tisch kommt.

Valle d`Aosta
Dies ist die kleinste Region Italiens mit nur 123.000 Menschen auf einer Fläche von rund 3.300 Quadratkilometern. Hier ist die Amtssprache italienisch und französisch, da die Region auch offiziell mehrsprachig ist. Auf italienisch heißt sie „Valle D´Aosta“, auf französisch nennt man sie „Vallée d´Outa“. Diese Region gehörte einst zu Piemont und ist 1948 autonom  Hier ragt im Westen Europas der größte Berg mit 4.805 Metern, der Mont Blanc, und im Norden der Monte Rosa und in den umliegenden Tälern fühlen sich überwiegend autochtone Trauben, wie Cornalin, Fumin, Malvoisie de Nus, Neyret, Vien de Nus sehr wohl. Die Gesamtproduktion im Aostatal ist so gering aus, so dass diese Weine kaum die Grenzen überschreiten.
Wenn man Favò auf der Speisekarte liest, weiß man, dass man im Aostatal ist, denn diese Bohnensuppe ist ein typisches Gericht in dieser Region. Der luftgetrocknete Schicken „Lardo d`Arnad“ ist ebenso eine Delikatesse, der vielleicht sogar den Weg bis zu unseren Supermärkten schon gefunden hat.

Piemont
Das Piemont liegt im Nordwesten Italiens und grenzt an Frankreich und die Schweiz mit seiner Hauptstadt Turin. Flächenmäßig ist das die zweitgrößte Region Italiens. Weinliebhaber schätzen das Piemont, was übersetzt „am Fuße der Berge“ heißt, wegen den exklusiven Rotweinen Barolo, und Barbaresco, zwei der begehrtesten Roten der Welt. Diese beiden basieren auf der empfindlichen Nebbiolo-Traube. Ihren Namen verdankt sie dem weißlichen Film, der sich auf den reifen roten Beeren bildet. „Nebbia“, heißt übersetzt Nebel. Jung getrunken enthalten diese Weine viel Säure und Tannin, im Alter jedoch entwickeln sie ein betörendes Aroma von Veilchen, Rose, Kaffee und Trüffeln. Etwas weniger bekannt sind die Rotweine Barbera und Grignolino. Beste Weißweine, wie Roero Arneis und Cortese di Gavi stammen ebenfalls von hier, wobei der einzigartige Gavi aus den Hügeln rund um Gavi stammt und daher Gavi di Gavi heißt.
Als typisches Nudelgericht werden hier Agnolotti verspeist, das sind gefüllte Teigtaschen, die kleiner sind als Ravioli. Gourmets schätzen das Piemont auch wegen der teuren weißen Trüffel aus der Gegend um Alba, die zart schmelzende Gianduja-Schokolade, dem Gorgonzola-Käse, den beliebten Grissini-Stangen und der Piemont-Kirsche.

Ligurien
Liguriens Form gleicht einem vermurksten Croissant. Die ca. 350 Kilometer lange Küste beginnt an Italiens Grenze zu Frankreich und endet in der Toskana. Die Winzer hier bewirtschaften einige der steilsten Rebflächen der Welt. Weinbau ist hier auf ca 1500 Hektar regelrechte Schwerstarbeit. Die Produktion reicht kaum für den Verbrauch der Einheimischen und der Touristen. Daher sind diese nur äußerst selten im Ausland zu erhalten.
Kulinarisch punktet Ligurien mit dem auch hierzulande beliebten Foccacia, dem flachen Brot, welches mit Olivenöl beträufelt und Salzkrümeln bestreut ist. Das Pesto Genovese ist in Ligurien ein Traditionsgericht, welches aus Basilikum, Knoblauch, Pinienkerne und Käse mit einem Mörser zerkleinert wird, auf keinen Fall in einem Mixer. Serviert wird es hier mit Trofie, gedrehte, spiralförmige Pasta. Nur dann ist es original.

Venetien

Venetien erstreckt sich von den Dolomiten im Norden bis hin zur Adria, die eine Küstenlänge von ca. 150 km mit zahlreichen Lagunen aufweist. Die größten und bekanntesten Städte sind Venedig, Verona und Padua. Hier entsteht auch mit schätzungsweise 600 Millionen Flaschen jährlich der weltweit bekannte und geliebte Prosecco. Da ist es wenig überraschend, dass diese Region die größte Weinmenge des Landes produziert. Gerechnet auf das Gesamtvolumen erwirtschaftet Venetien ca. 25% der gesamten Weinproduktion des Landes. Typische Weißweine sind der leicht-fruchtige Soave, der Garganega, der durch Aromen von Zitrusfrüchten und Mandeln auffällt, der fruchtig, frische Trebbiano, wie auch der lebendige Bianco di Custoza. Bekannte Rotweine aus dieser Region sind der Corvina, der durch sein Aroma von Sauerkirschen besticht, der Cabernet Sauvignon, der Bardolino, der Valpolicella und der König der Rotweine, der Amarone, aber auch der elegante Refosco und der wieder entdeckte edle Raboso.
Auf den Speisekarten findet man im Veneto „Risi e bisi“, ein Gericht aus Erbsen und Reis. Traditionelle Gerichte sind auch „Bigoli in Salsa“, das ist Pasta in Sardellensauce oder „Risotto all`Amarone“ und als Nachspeise „Fritole“, ausgebackene süße Teigbällchen. Da läuft einem doch glatt das Wasser im Mund zusammen…

Emilia Romagna
Die Emilia streckt sich von der Po-Ebene bis zur Toskana, und fasst ca. 55.000 Hektar Rebflächen. Bekannt wurde diese Region wegen des Lambruscos. Sie erinnern sich vielleicht an die in Stroh gewickelten Weinflasche, die in vielen italienischen Gaststätten auf den Tischen stand? Hier, in der Emilia Romagna wachsen auch andere Trauben, wie die Trebbiano- und die Pignoletto-Traube, aber auch rote, die Sangiovese- und Barbera-Traube,  die hervorragend zu den lokalen Spezialitäten passen, wie etwa dem Parmaschinken, den traditionellen Tortellini,  der Lasagne, dem Parmigiano Reggiano oder der Mortadella. Die "Zuppa Inglese", ein Dessert aus Biskuit mit luftig-süßer Creme wurde hier erfunden. Die Hauptstadt Bologna trägt zurecht den Beinamen „La Grassa“, übersetzt die Üppige.
Die Romagna hingegen ist ein bergiges Stück Land zwischen der Adriaküste und dem Apennin, welches nur schwer zugänglich ist. Hier wachsen gerne Rebsorten, wie Sangiovese, Cabernet, Trebbiano und die autochtone Sorte Albana di Romagna, die als erstes den DOCG-Status in dieser Region erhalten hat.

Toscana
Denkt man an die Toscana, so hat man doch gleich diese malerische Gegend im Kopf, diverse Tavernen, lange Tafeln mit heiter feiernden Menschen. Wir denken auch an die wunderschönen Städte Florenz, Siena, San Gimignano, Lucca, um nur ein paar wenige beim Namen zu nennen und schwups ist man in Urlaubsstimmung und würde am liebsten sofort die nächste Reise buchen. Wie schön, dass man sich ein klein wenig Toscana mit den von dort stammenden Weinen ins Haus holen kann. Die Weinberge mit einer Fläche von ca. 60.000 Hektar erstrecken sich in überwiegend hügeligen Lagen zwischen den Apenninen und der Küste. Als schöner Weißwein ist beispielsweise der Vernacchia di San Gimignano mit seinem typischen Mandelduft, aber diese Gegend steht eher für edle Rotweine, denn hier werden vorwiegend rote Trauben angebaut, wie Montepulciano, Cabernet Sauvignon, Merlot und natürlich der Sangiovese, den wir von früher schon als Chianti Classico kennen. Diesem hat die Toscana am Ende seine Berühmtheit zu verdanken, denn dieser Rotwein war der erste, der über die Landesgrenzen hinaus bekannt wurde.
Typisch toscanisch kommt „Pappardelle al Cinghiale“ auf den Tisch, das sind breite Bandnudeln mit Wildschweinragout oder aber „Bistecca alla fiorentina“, ein übergroßes T-Bone-Steak und als Süßspeise findet man einen „Schiacciata di Uva“, einen Hefekuchen mit Trauben. Hmm…


Marken
Keine Stadt ist hier größer als die Haupt- und Hafenstadt Ancona mit ihren knapp 100.000 Einwohnern. Im Norden ist kontinentales Klima, wohingegen im Süden das Mittelmeer auf rund 25.000 Hektar Rebflächen das Klima beherrscht. Hier entstehen als Rotweine vorwiegend der Sangiovese, aber auch der Montepulciano oder auch Cuvées aus beiden. Die wichtigste Weißweinsorte ist hier der Verdicchio, der blumige, mineralische, extraktreiche Weine hervorbringt.
Für diese Region typisch sind Passatelli, eine Art Fadennnudeln aus Brotkrumen, Parmesan und Ei, die in Brühe gekocht und als „Primi Piatti“, als erster Gang serviert wird.


Umbrien
Umbrien ist das grüne Herz Italiens. Es ist eines der wenigen Regionen, die keinen Zugang zur Küste haben. Lange stand Umbrien im Schatten der Toskana, doch heute punktet es mit seinen rund 16.000 Hektar Rebflächen mit den roten Rebsorten Sangiovese, Merlot, Sagrantino und den weißen Sorten wie Grecchetto und Chardonnay. Ein außergewöhnlicher Cuvée aus beiden Sorten ist der Cervaro della Sala, ein fassgereifter Spitzenwein, der nur selten im Ausland zu finden ist.
Schwarze Trüffel aus Norcia bringt die umbrische Küche zu Tage, die oft mit Pappardelle serviert werden. Als Wahrzeichen für die Hauptstadt Perugia dient auch die hier produzierte Süßigkeit „Baci“, die aus Haselnuss-Gianduja-Füllung und einer ganzen Haselnuss besteht und umhüllt von dunkler Schokolade ist… lecker!

Lazio
Rund um die Hauptstadt Rom werden im Norden von Lazio auf überwiegend vulkanischen Böden Weißweine aus Trebbiano, Malvasia, Orvieto und Grecchetto-Trauben angebaut, wohingegen im Süden eher Sangiovese und neuerdings auch die lang vergessene Cesanese-Traube zu finden sind. Diese Region hat eine lange Weingeschichte: Aufzeichnungen lassen vermuten, dass es den Bürgern im antiken Rom verboten war, in ihren Wohnungen auf Feuer zu kochen, daher versammelten sich die Menschen gezwungenermaßen draußen, um zusammen zu essen und zu trinken. Gerne auch Wein. Das ist vielleicht der Grund, warum die Römer noch heute so gesellig sind. Traditionelle Gerichte rund um Rom sind „Saltimbocca alla Romana“ (Kalbsschnitzel mit Rohschinken und Salbei), „Cacio e Pepe“ (Pasta mit Pecorino und Pfeffer) oder auch „Bucatini alla carbonara“ (Pasta mit Speck, Eiern und Käse).

Abruzzen
Obwohl die zentral auf der Apenninhalbinsel gelegene Region geographisch eher zu Mittelitalien gehört, gilt sie aus historischen Gründen als die nördlichste Region Süditaliens. Im Mittelalter zählte sie sogar zum Herrschaftsgebiet Siziliens. Die Abruzzen vereinigen drei geographische Aspekte: ca. 150 km Küste, Hügelland und dem höchsten Teil des Gebirgszuges Apennin, wobei insgesamt 30% National- bzw. Regionalparks sind. Die Rebflächen betragen ca. 35.000 Hektar, wobei die bekanntesten Weine Montepulciano d´Abruzzo und Trebbiano dÁbruzzo und der Cerasuolo dÁbruzzo sind. Man findet hier aber auch die Sangiovese- und die Pecorino-Traube.
An der Küste genießt man landestypisch Pasta mit Meeresfrüchten, im Landesinneren eher deftige Fleischgerichte, beispielsweise mit Lamm und Polenta. Als Süßspeise sind Ferratelle landestypisch. Das sind knusprige Waffeln, die mit dem „Ferro“ gebacken werden und mit Marmelade, Schokolade oder anderen Füllungen serviert werden.

Molise
Seit 1963 ernannte die italienische Regierung Molise als eigenständige Region. Zuvor war es mal Kampanien, mal Apulien und mal den Abruzzen zugesprochen.  Es ist ein wahrlich kleines Stück unberührtes Italien, ein verkanntes Naturparadies, welches spärlich besiedelt ist. In dieser Region werden vorwiegend die Sorten Trebbiano dÁbruzzo und Montepulciano dÁbruzzo angebaut. Neuerdings entdeckt man jedoch auch Fiano, Greco di Tufo und Anglianico.
Als Spezialität findet man hier Cavatelli, eine muschelförmige Pasta, die mit Wurst und  Pilzen serviert wird. Als typische Nachspeise bestellt man die Scorpelle, das sind frittierte Teigspiralen, die gerne mit Honig getränkt werden.

Apulien – rund um Bari
Der Name Apulien (italienisch: Puglia) stammt vermutlich aus der Antike, von “a-Pluvia“, was soviel bedeutet wie „ohne Regen“. Auf den flachen Ebenen herrscht an der Ferse des Stiefels ein wahrlich mediterranes Klima mit milden Wintern, heißen Sommern und mindestens 300 Sonnentagen im Jahr. 40°C werden regelmäßig überschritten. Aufzeichnungen aus der Antike belegen, dass hier Weinbau seit mindestens dem 7. Jahrhundert vor Chr. betrieben wurde, als die Griechen die Region besiedelten. Apulien ist heute eines der produktivsten Regionen Italiens.  Das Veneto und Sizilien streiten sich um diesen Rang. Auf 105.000 Hektar Rebflächen wachsen nicht nur autochtone rote Reben, wie der Primitivo, der Negroamaro, der Malvasia, der Nero di Troia und der Salice Salentino, sondern auch Weißweine wie der Fiano, der für seine Aromenvielfalt bekannt ist und der im Küstenbereich angebaute Verdeca, welchen man für seine Mineralität schätzt. Apulien wird wird witzigerweise auch als "Weinkeller Italiens" bezeichnet, die Temperaturen außer Acht gelassen.
Traditionell kommt in Apulien „Orecchiette con le cime di rapa“ auf den Tisch. Das sind handgemachte Pasta, die wie kleine Ohren geformt ist. Die Sauce wird aus Stängelkohl (Cime di Rapa), einer typisch apulischen Gemüsesorte, zubereitet, die in Olivenöl mit Knoblauch, Chili, Anchovis und Pecorino-Käse angebraten wird. Und als Nachspeise empfiehlt es sind „Cotognata“ zu kosten. Das ist ein Quittenmus, das traditionell aus dem Salento stammt und oft mit Zucker eingekocht wird. 

Campanien – rund um Neapel
Die Region liegt an der italienischen Westküste, direkt über der Stiefelspitze. Die antike Stadt Pompeji war eine wichtige Weinregion für das Römische Reich, bevor sie durch den Ausbruch des Vesuv im Jahr 79 n.Chr. zerstört wurde. Bei Ausgrabungen wurden Hinweise auf die Weinproduktion und den Konsum gefunden, darunter Fresken und Weinbehälter. Auch heute wird auf ca 40.000 Hektar Weinbau mit vorwiegend roten Sorten betrieben: An den Hängen des Vesuv wachsen seit vielen hundert Jahren Aglianico-Trauben, deren Weine auch als "Barolo des Südens" bezeichnet werden. Jedoch herrscht hier immer die Angst, der Vulkan könnte wieder loslegen. Auch kostbare Greco di Tufi und Fiano di Avellino kommen aus dieser Region.
Die Hauptstadt Neapel ist die historische Geburtsstadt der Pizza und die Amalfi-Küste ist bekannt für die großen, süßen und aromatischen Zitronen, die im ganzen Land geliebt und geschätzt werden. Im restlichen Kampanien isst man traditionell „Ziti napoletani“, das sind röhrenförmige Pasta, die oft mit Fleischsoße serviert werden.

Basilicata
Zwischen Absatz und Sohle des Stiefels herrscht ein rauhes Mikroklima mit großen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht. Es ist fast vollständig von Gebirgszügen des Apennin bedeckt, so dass dies zu einer Zerstückelung der Rebflächen führt. Die Basilikata hat eine lange Weingeschichte, denn Griechische Kolonisten brachten schon weit vor unserer Zeitrechnung Weinreben und Weinbauwissen in diese Region. Bei über 40°C im Sommer wächst hier an den Hängen des erloschenen Vulkans Vulture die für die Region wichtigste autochtone Rebsorte Aglianico, die auch als „Barolo des Südens“ bezeichnet wird. Auf insgesamt 10.000 Hektar Rebfläche findet man jedoch auch Primitivo, Montepulciano, Merlot, Cabernet, Fiano und Malvasia und Falanghina. Im Agri-Tal befindet sich übrigens auch ein großes Erdöl-Vorkommen, doch leider ist diese Region heute aufgrund von Korruption und Umweltkatastrophen die ärmste Italiens.
Kulinarisch liebt man hier „Pasta con peperoni cruschi“, Teigwaren mit knusprigen, getrockneten Paprikaschoten.  Von dort kennt man auch die Süßigkeit „Copete“, die aus Oblaten mit einer Füllung aus Zucker, Mandeln, Honig und Zimt besteht.

Kalabrien
Die Stiefelspitze bildet die Region Kalabrien, dessen Name mit großer Wahrscheinlichkeit von den griechischen Kolonisten stammt, die das Land „Kali-avra“ nannten, was soviel heißt wie schöner Wind. Hier herrscht im Sommer ein heißes, trockenes Klima weit über 30 Grad, wohingegen es im Landesinneren im Winter feucht sein und schneien kann. Die Küsten sind jedoch mit ca. 300 Tagen sehr sonnenreich. Der vielleicht bekannteste Weißwein aus Kalabrien ist der Cirò bianco, welcher aus der beheimateten Rebsorte Greco bianco besteht oder der Cirò rosso, der aus der Gaglioppo-Traube gemacht ist. Seit der Antike ist der Weinbau in Kalabrien bekannt und die autochtonen Rebsorten, wie Pecorello, Montonico (weiß) oder Magliocco (rot) werden heutzutage immer beliebter.
Traditionell isst man hier „Nduja con fileja“. Fileja ist eine regionale Pastaform, die in einer Tomatensauce mit der sehr scharfen Wurst „Nduja“ kombiniert ist. Als Süßspeise genießt man “Pitta ´mpigliata“ ein Dessert, das aus einem dünnen Teig besteht, der mit Wahlnüssen, Mandeln, Rosinen und Honig gefüllt zu einer Rolle geformt und traditionell mit einer Schnur zusammengebunden ist. Und das berühmte „Tartufo di Pizzo“ kommt aus dem schönen Ort Pizzo, der gleichsam auf dem Spann des italienischen Fußes im Gebirge liegt.

Sizilien – rund um Palermo
Die flächenmäßig größte Region Italiens, mit ca.  25.000 Quadratkilometern, auf denen ca. 113.000 Hektar Weinbau betrieben wird. Der Name Sizilien ist wohl auf die Ureinwohner zurückzuführen, die Sikeler, die den Osten der Insel bewohnten, als griechische Kolonisten im 8. Jahrhundert vor Christus eintrafen und diese zunehmend ins Landesinnere verdrängten. Erst die Griechen brachten Reben auf die Insel, die heute bekannt ist für ihre vielfältige Weinproduktion und ca. 4 Millionen Hektoliter im Jahr erwirtschaftet. Angebaut werden überwiegend heimische, wie zum Beispiel Nero d´Avola, Calabrese, Syrah (rot), Catarratto und Inzolia (weiß) aber auch diverse internationale Rebsorten.
Zu den traditionalen Delikatessen der Insel zählen „Pasta alla norma“, eine Pasta mit Auberginen, Ricotta und Tomatensauce, „Pasta con le Sarde“ Pasta, meist Bucatini, mit Sardinien, Fenchel, Safran und Rosinen und „cannoli“, frittierte Teigrollen, die mit süßer Ricotta-Creme gefüllt sind.

Sardinien – mit der Hauptstadt Cagliari
Flächenmäßig ist Sardinien die drittgrößte Region Italiens  mit rund 24.000 Quadratkilometern Landfläche, auf der auf ca. 40.000 Hektar Wein angebaut wird. Archäologische Funde alter Rebsamen, die an der Westküste der Insel entdeckt wurden, deuten darauf hin, dass seit mehr als 3.000 Jahren Weinbau betrieben wird und heute ist dieser Wirtschaftszweig einer der wichtigsten. Die rote Cannonau-Traube, die auch als „Seele Sardiniens“ bezeichnet wird, ist die bedeutendste Sorte neben der Carignano, Monica und die lange vergessene Cagnulari-Traube. Die Produktion der Rotweine dominiert, während Vernacchia und Vermentino an Bedeutung zunehmen.
Die Kulinarik auf der Insel ist ebenso einzigartig. Traditionell kommt hier das „Porceddu“, das berühmte Spanferkel, welches langsam und lange am Myrtenspieß gebraten wird, auf den Tisch oder „Culurgiones“, das sind mit Kartoffeln, Pesocorino, Knoblauch und Minze gefüllte Pasta, oder auch „Fregola con Arselle“, kleine, perlenartige Pasta mit Venusmuscheln und zum Nachtisch „Seadas“, frittierte Teigtaschen, gefüllt mit frischem Pecorino, serviert mit Honig.

Jetzt wissen wir, welche edlen Weine woher kommen, ein bisschen Geschichte dazu und was die Cucina Italiana empfiehlt. Da interessiert uns doch die Frage, ob die Italiener denn aúch am meisten Wein trinken? Die Antwort darauf hätten wir aber beileibe nicht erwartet: Den absoluten Rekord im Weinkonsum hält statistisch gesehen der Vatikan  – 74 Liter pro Kopf und Jahr. Dies ist nicht nur dem Messwein zuzuschreiben, das kommt vor allem von den zahlreichen Touristen. Auf Platz zwei dieser Randliste rangiert übrigens Luxemburg mit ca. 50 Litern Wein pro Kopf und Jahr. Diese Zahl ist bestimmt auf die niedrigen Steuern zurück zu führen und durch die Grenzgänger verzerrt. 

So, und jetzt viel Spaß bei der Qual der Wahl, welchen Wein zu welchem Gericht Sie für sich aussuchen. Uns ist beim Zusammenfassen all der Informationen das Wasser im Mund zusammengelaufen und wir haben entschieden, der Reihe nach vorzugehen.

In diesem Sinn heben wir das Glas und stoßen mit Ihnen an.
Salute!

Herzlichst,
Ihr Weindepot Geyer